Hannah und Fabi berichten von ihrer Zeit im Oasi Argo - Volontäre

Als wir im September 2019 mit unserem kleinen Bus Deutschland verließen, um eine lange Reise voller Straßenmusik und bedeutsamen Eindrücken zu unternehmen, welche uns quer durch Europa und schließlich auch bis nach Nordafrika führte, war uns das Wort „Corona“ bislang nur von einer Biermarke bekannt. Wie sich unsere Reise und somit auch unser Schicksal ändern würden, war uns zum damaligen Zeitpunkt nicht bewusst. Aber lest selbst!

 

 

 

Bereits von Beginn unseres Unternehmens hatten wir fest geplant, uns unterwegs ehrenamtlich für den Tierschutz einzusetzen. Zunächst versuchten wir dies in einem andalusischen Tierheim, wo wir leider nicht besonders willkommen geheißen wurden und die Leute uns, ohne uns zu kennen oder anzuhören, sofort abwiesen. Das enttäuschte uns sehr, da wir große Lust, viel Zeit und nur die besten Absichten hatten. Diese negativen Reaktionen begegneten uns leider noch zwei weitere Male. 

 

 

Im Oktober schließlich nahmen wir Kontakt zu einem rumänischen Tierheim auf, welches uns freudig einlud als Volontäre zu kommen. Da wir zu diesem Zeitpunkt jedoch in Portugal waren und erst auf Frühjahr den weiten Weg nach Rumänien auf uns nehmen konnten, freuten wir uns schon sehr auf diese Begegnung und hatten somit ein wundervolles Ziel vor Augen. Doch dann kam Corona – und alles änderte sich!

 

 

Als die Epidemie Norditalien in ihrer Gewalt hatte und es zu einem landesweiten Lockdown kam, befanden wir uns gerade auf Sizilien. Wir hatten geplant im Anschluss die Fähre von Apulien nach Griechenland zu nehmen und von dort die Schönheit des Balkans zu entdecken (Richtung Rumänien). Dann bat uns die Polizei jedoch, die Insel zu verlassen und wir fanden uns in einem ausgestorbenen und tristen Kalabrien wieder, in dem man sein Haus – in unserem Fall sein Auto – nicht ohne triftigen Grund verlassen durfte. Wir standen vor der Entscheidung zurück nach Deutschland zu fahren oder die Zeit sinnvoll an einem „sicheren“ Ort in Italien zu verbringen, als wir online die Website des Oasi Argo in Cirò Marina fanden. 

 

 

 

Da unsere bisherigen Erfahrungen uns im Ausland in den Tierschutz einzubringen leider nie besonders gewürdigt, sondern eher misstrauisch betrachtet wurden und wir somit keinerlei Chance erhalten hatten, unser Können unter Beweis zu stellen, machten wir uns nach unserer Anfrage erstmal gar keine Hoffnungen. Wieder dachten wir, dass wir „abgespeist“ werden würden wie zuvor auch schon immer. (Übrigens etwas, was wir überhaupt nicht nachvollziehen können, da Tierschutz unserer Meinung nach von positiven und offenen Menschen lebt, die Lust haben freiwillige Helfer zu integrieren.)

 

 

Dann ging alles sehr schnell, sofort hatten wir einen WhatsApp Kontakt mit zwei Personen hergestellt, Mery und Silvia, welche sehr freudig und herzlich antworteten. Als wir ihnen mitteilten, dass wir eigentlich gerne sofort kommen würden, waren sie vor Freude außer sich, schließlich seien helfende Hände im Oasi Argo immer willkommen! So fuhren wir bereits einen Tag nach einem freundlichen Telefonat mit Silvia nach Cirò Marina, wo wir mit unserem Bus in der Idylle der Natur isoliert stehen konnten. 

 

 

 

In Cirò Marina angekommen fanden wir unseren Weg zum Rifugio, wo Caterina uns bereits strahlend erwartete. Wie nötig unsere Hilfe war, konnten wir uns bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen. Wir hatten viel über Caterina gehört und hatten bis zu unserem Ankommen noch keinen persönlichen Kontakt zu ihr. Bereits in den ersten Minuten bemerkten wir (obwohl Hannahs italienisch zu diesem Zeitpunkt aus Spanischkenntnissen bestand und sehr brüchig war), was für eine beeindruckende, herzliche und starke Persönlichkeit da vor uns stand. Sie öffnete das große Tor für uns und wir betraten den Eingang des Rifugios, wo ein lautstarkes Rudel aus ca. 30 freilaufenden Hunden uns aufgeregt und freudig begrüßte.

 

 

Caterina begrüßte uns, wir lernten uns kurz kennen und schon begann eine ausgedehnte Runde über das ganze Gelände, auf dem sich neben einem Container und dem freilaufenden Rudel noch 56 große Gehege befinden, in denen die Hunde in Gruppen von zwei bis fünf zusammenleben (und damit deutlich artgerechter als in den staatlichen italienischen Canile). Was für ein Moment! Zwischen dem lauten Gebell (an das sich unsere Ohren in den kommenden Tagen schnell gewöhnten) und Caterinas Erklärungen wuchs unsere Begeisterung stetig an. Es war ein unfassbares Gefühl diese ganzen Gehege mit den unterschiedlichsten Hunden (zu diesem Zeitpunkt waren es 232) zu sehen, die uns von Caterina mit liebevollem Blick alle vorgestellt wurden! Schon bei diesem anfänglichem Rundgang fiel uns auf wie liebevoll Caterina mit jedem einzelnen Tier umgeht und wie gut es die Tiere dort haben. 

Die Arbeitstage in den kommenden Wochen sollten zwar körperlich anstrengend werden, jedoch verbrachten wir jede Sekunde gerne an diesem besonderen Ort. Als ehrenamtliche Freiwillige stand es uns natürlich frei zu kommen und zu gehen wie wir wollten, jedoch arbeiteten wir sieben Tage die Woche von 9-12 und von 15-17/18 Uhr. Wir merkten einfach, wie sinnstiftend und wichtig unsere Arbeit im Refugio war und wir erfuhren von Caterina eine unfassbare Dankbarkeit und Wertschätzung. Da Caterina und ihre zwei Helfer aus Cirò Marina, die sie immer vormittags unterstützten, sich routiniert um Futter, das Säubern der Gehege, medizinische Versorgung sowie Therapien kümmerten, befassten wir uns mit rein handwerklichen Aufgaben, welche mit dringender Notwendigkeit erledigt werden mussten. 

 

 

 

 

Das war nicht die Arbeit, mit der wir gerechnet hatten, jedoch verstanden wir schnell, dass wir bald alle jene Aufgaben erledigten, die wegen Zeit und Personalmangel seit der Überschwemmung auf der Strecke blieben; aber sehr wichtig für die Hunde sind. Wir bauten beispielsweise Sonnen- und Regenschutze in vielen Gehegen, reparierten kaputte Treppen, sodass die Hunde wieder problemlos in ihre Hütten konnten, trugen Bitumen-Kies Mischungen auf die Dächer auf, begradigten Wege, sodass Gehege wieder geöffnet werden konnten, stopften Löcher, die Hunde gebuddelt hatten, verschönerten Gehege mit Sitzgelegenheiten, reparierten marode Zäune oder bauten alte, verlassene Gehege ganz ab, um das daraus gewonnene Material wiederum upzucyceln. Ebenso fotografierten wir fleißig einen Großteil der Hunde, um diese auf Facebook zur Vermittlung zu stellen. Außerdem musste Futter, welches durch LKWs angeliefert wurde (meistens handelte es sich dabei um unzählige 20kg Säcke) von uns ins Rifugio transportiert werden. 

 

 

Einige Gehege konnten wir unter großem Zeitaufwand auch um das Doppelte vergrößern, was für die Hunde mehr Bewegungsraum bedeutete. Es gab auch stressige Tage, z.B. als einmal Lupa (bereits adoptiert) und später Apollo aus ihren Gehegen ausbrachen und wir sie wieder einfangen mussten.

 

 

Sehr schnell hatten wir uns Caterinas volles Vertrauen verdient, was dazu führte, dass wir in jedes der Gehege ein und ausgehen durften, wie wir wollten und viele der Arbeiten mit wenig Absprache erledigen konnten, was Caterina gleichzeitig entlastete. Nach kurzer Zeit hatten wir uns als Team eingespielt. 

 

 

Abends liefen wir immer erschöpft und von der körperlich anstrengenden Arbeit hungrig und stinkend zu unserem Bus, wo wir uns mit aufgefüllten Wasserflaschen gegenseitig abduschten. Da wir von unserer bisherigen Reise allerdings ebenso wenig Luxus gewohnt waren, stellten die etwas harten Lebensumstände für uns wirklich kein Problem dar. Im Gegenteil: Die tagtäglichen Resultate zu sehen, den Hunden und Caterina so viel Gutes zu tun und dabei selbst so viel Freude und Liebe zu spüren, war genug Bezahlung. Wahrscheinlich kann man hier von einer klassischen Win-Win-Situation sprechen, denn es waren einfach alle Beteiligten dankbar und zufrieden.

 

 

Nach zwei Wochen (wir hatten uns beim Melden für die Freiwilligenarbeit einen Zeitraum von 14 Tagen gesetzt) war für alle klar, dass wir nicht einfach gehen konnten. Also entschieden wir uns letztendlich dazu, ganze fünf Wochen zu bleiben. In dieser intensiven Zeit knüpften wir enge Bänder zu einigen der Hunde des Oasi Argo. Sie hier einzeln zu nennen, würde leider den Rahmen des Artikels sprengen. Jedoch sind wir uns einig, dass jeder Einzelne einen individuellen Charakter und eine faszinierende Persönlichkeit besitzt, dass wirklich jeder dieser Hunde das Recht auf ein schönes Zuhause hat und nachdem was einige der Hunde durchgemacht haben, sie den Lebensmut, ihre Fröhlichkeit und Liebe nicht verloren haben. Das fanden wir sehr bemerkenswert.

 

 

Leider sieht die Realität in Kalabrien so aus, dass Hunde auf die schrecklichsten Arten „entsorgt“ werden. Für manche bedeutet die Konsequenz dieser Unmenschlichkeit leider den Tod. Caterina nimmt jeden Hund auf, egal wie alt, wie groß oder klein, ob aggressiv oder verschüchtert, ob schwerverletzt oder kerngesund. Jedes Hundeleben ist bei ihr gleich viel Wertund dementsprechend versorgt und kümmert sie sich um jedes dahergelaufene, gefundene, abgegebene oder bei ihr (leider auch Realität) über den Zaun geworfene Tier. Zudem muss auch gesagt werden, dass eine negative Folge der Coronakrise für das Rifugio bedeutete, dass Hunde, die bereits adoptiert wurden, seit März nicht ausreisen durften. Da jedoch immer neue Hunde ins Oasi Argo hinzukamen, stieg die Zahl der Tiere stetig, was für Caterina natürlich für mehr Druck und Kosten sorgte.

 

 

 

Wir fanden beispielsweise auf unserem Heimweg nach der Arbeit fünf schutzlose Welpen. Es tut fürchterlich weh sich vorzustellen, wie jemand diese kleinen, schutzlosen Dinger einfach aufs Land karrt und sie dort ihrem Schicksal überlässt, anstatt ein anständiges Zuhause für sie zu suchen oder sie wenigstens ehrlich bei Caterina persönlich abzugeben. Die gute Nachricht ist, dass alle, der von uns gefundenen Welpen sich seit Mitte Mai einem liebevollen Zuhause in verschiedenen Regionen Italiens erfreuen, wo sie das Leben gefunden haben, welches sie verdienen. 

 

 

Auch wir konnten das Oasi Argo nicht verlassen, ohne wenigstens einen der Hunde mit uns zu nehmen. Die Entscheidung war schwer und leicht zugleich. Schwer, da wirklich so viele der Hunde uns gefielen und in den intensiven fünf Wochen bereits innig von uns geliebt wurden. Leicht, da der Hund, den wir schlussendlich mitnahmen (Luca), uns bereits am ersten Tag schon das Herz mit seinen traurigen Augen gewann und uns in den folgenden Tagen trotz seiner schüchternen Art erfolgreich um den Finger wickelte.

 

 

Wenn wir also auf unsere wunderschöne Zeit im Oasi Argo zurückblicken, stellen wir fest, dass wir vieles erreichen konnten: Aus uns sind zum Beispiel bessere Handwerker geworden, zumindest einer von uns beiden hat italienisch sprechen gelernt; wir haben selbst Hunde an Freunde vermittelt sowie Spendengelder aus dem Bekanntenkreis sammeln können und konnten somit mehr und mehr Menschen auf die fabelhafte Arbeit des Oasi Argo aufmerksam machen. Wir haben eine Patenschaft für einen der schwer zu vermittelnden Hunde organisiert, Welpen gefunden, die nun ein sicheres Zuhause haben, haben Freundschaft mit unzähligen Hunden geschlossen und ihnen mit unserer Aufmerksamkeit und Zuneigung schöne Momente geschenkt und einem der Hunde dürfen wir ein traumhaftes Leben voller Wanderungen und Abenteuer mit uns schenken. Caterina haben wir für immer als Freundin ins Herz geschlossen und wir sind froh, dass wir das Rifugio weiterbringen konnten!

 

 

Unser Abschied war letztendlich nicht einfach und bereits an diesem Tag stand fest, dass wir sehr bald wieder kommen müssen. Nun haben wir uns das Ziel gesetzt von Deutschland aus so viel zu bewegen, wie nur möglich. Beispielsweise planen wir ein Konzert und einen Kuchenverkauf, um Geldspenden für das Oasi Argo sammeln zu können. Zudem möchten wir auch versuchen mit Zeitungsartikeln auf das Rifugio aufmerksam zu machen. Außerdem planen wir für das kommende Jahr uns selbst als Pflegestelle anzubieten, damit mehr Hunde die Chance bekommen, das Rifugio zu verlassen. Doch am allermeisten freuen wir uns jetzt schon auf unsere Rückkehr nach Cirò Marina und ein Wiedersehen mit Caterina und all’ den lieben Hunden.

 

 

 

Leider kann sich Caterina nur an wenigen Freiwilligen vor Ort erfreuen, weshalb es uns ein Anliegen ist, Jeden zu ermutigen diese Erfahrung einmal selbst zu machen. Wenn dich unser Artikel zum Helfen bewegt, du jedoch keine Zeit hast vor Ort zu erscheinen, hast du zahlreiche Möglichkeiten zur Unterstützung: Durch Geldspenden, eine Adoption, Beiträge in sozialen Netzwerken teilen, Werbung für das Oasi Argo machen, Kastrationspate für einen Hund werden, eine Patenschaft für einen ganz bestimmten Hund übernehmen, Sachspenden sammeln und zusenden, sich als Pflegefamilie anbieten oder einfach etwas von der Amazon Wunschliste des Rifugio kaufen. Jede kleine Spende hilft und kommt zu 100% bei den Tieren an – das können wir nach unserer Erfahrung im Rifugio nur bestätigen.

 

 

Danke für das Lesen und dein Interesse! 
Hannah, Fabi und Luca

 

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