Erfahrungsberichte: Problemfälle


Wichtige Information: Die Adoptanten wussten VOR der Adoption, dass es sich bei den Hunden um Problemfälle handelt.

Hannah und Fabi aus Freiburg, Adoptanten von Luca, Englischer Setter:

 

Sehr schwieriger Fall mit Happy End: Vom Jagdabfall zum Therapiehund

Bei der Entscheidung einen neuen Hund einziehen zu lassen, waren wir sehr offen und hatten keinen speziellen Typ vor Augen, sondern ließen uns dabei sehr von unserem Bauchgefühl und Herzen leiten. Als wir Luca entdeckten, war klar, dass wir uns letztendlich nicht für einen süßen kleinen Welpen, sondern für einen erwachsenen, stark traumatisierten und sehr kranken Hund entschieden hatten.

Bevor Luca zu Caterina ins Rifugio kam, hatte er nicht viel Glück im Leben. Nachts wurde er über den hohen Zaun der Tierauffangstation in das Gehege eines anderen Hundes geworfen und morgens dann völlig verstört von Caterina gefunden. Er war sehr zurückhaltend und vorsichtig, zog sich gerne in schützende Hütten zurück und wusste gar nicht, was Streicheln war. Schnell war er mit allem überfordert, fraß kaum, wurde von den anderen Hunden gemobbt und auch lief er sehr geduckt – alle seine Muskeln waren völlig zurückgebildet und zudem war er untergewichtig.

Das Schlimmste war jedoch, dass Luca mit einer starken Otitis (Ohrenentzündung) zu kämpfen hatte, die ihm große Schmerzen bereitete. Caterina und wir taten natürlich alles daran diese in den Griff zu bekommen, jedoch brauchten wir später in Deutschland beinahe ein Jahr sowie mehrere tausend Euro in einer Tierklinik, um alles zu heilen. Dort erfuhren wir dann auch, dass die Krankheit leider so weit fortgeschritten war, dass Luca auf dem rechten Ohr so gut wie taub ist. Die Tierärzte meinten auch, dass es allerhöchste Zeit für eine Operation war, da die Krankheit, die bereits sein rechtes Trommelfell zerstört hat, wohl irgendwann auf das Hirn geschlagen wäre!

Auch hat Luca sehr viele Allergien (Hausstaub, Milben, Gräser) und so viele Futtermittelunverträglichkeiten, dass wir nach Jahren nun immer noch am Ausprobieren sind und kein Fleisch gefunden haben, was er wirklich gut verträgt, weshalb wir ihn anallergen ernähren müssen).

In Deutschland brauchte Luca, anders wie viele Hunde, eine sehr lange Zeit sich einzugewöhnen. Anfangs ignorierte er uns komplett, reagierte auf kein Geräusch, wandte den Kopf der Wand zu, wirkte deprimiert und apathisch. Auch dauerte es ein halbes Jahr, bis er richtig zu fressen begann, was es uns nicht leicht machte. Draußen nahm er über ein Jahr gar keine Leckerlies an. Das erschwerte das komplette Training natürlich ungemein. Für Luca war es sehr wichtig, dass alles sehr langsam und in kleinsten Schritten geschah. Zeit und Geduld war also das einzige, was half.

 

Nach einem halben Jahr begann es endlich für uns Berg auf zu gehen! Luca suchte immer mehr unsere Nähe, begann uns zu vertrauen und endlich eine Beziehung zu uns aufzubauen, so wie viele Leute das von Beginn an mit einem Welpen erfahren dürfen. Sehr vorsichtig und langsam begann er auch mit uns zu spielen! Selbst das Spielen mussten wir anfangs langsam mit ihm aufbaue. Es dauerte dann noch ein weiteres Jahr, bis er sich überall gerne auf Spiele einließ.

Am schwierigsten gestalteten sich die Spaziergänge mit Luca. Anfangs wäre er am liebsten auf zwei Beinen durch die Gegen gelaufen, so stark zog er an der Leine, wirbelte umher, war überfordert mit allem und konnte sich auf gar nichts konzentrieren. Rückblickend muss ich wirklich sagen, dass es eine furchtbar anstrengende Zeit war und wir mit sehr viel Zeit, Geduld und viel Training Luca dann doch leinenführig bekamen. In unbekannten Gebieten oder an Flüssen und Seen ist es immer noch sehr schwer, aber machbar.

Die allergrößte Herausforderung mit einem Setter aus dem Tierschutz ist jedoch der Freilauf. Luca hat einen enorm ausgeprägten Jagdtrieb und war anfangs kaum kontrollierbar. Daher führten wir ihn anfangs fast ein Jahr konsequent nur an der Schleppleine und übten sehr fleißig, bis wir ihn dann mit schleifender Leine und schließlich freilaufen lassen konnten.

Wer denkt, dass der Freilauf damit für einen Setter erledigt ist, der täuscht sich. Wir übten das Vorstehen, die Umorientierung und den Rückruf, auch das Einhalten eines Radius war wichtig, da Setter keine Hunde sind, die gerne neben einem laufen, sondern lieber auch mal 200m vorangehen. Daher sind es auch nicht unbedingt Hunde, die in die Stadt passen, weshalb wir jeden Tag im Wald unterwegs sind. Auch möchte ein Setter beschäftigt werden und arbeiten dürfen, um glücklich zu sein. Daher belohnten wir das Vorstehen, übten das Apportieren, machten viel Nasenspürarbeit (Fährten legen, Mantrailing, Futterbeutelsuchen, Frei-Verloren-Suche), Intelligenzspiele und vor allem Impulskontrolle.

Rückbezüglich war es sehr viel Arbeit, die man in die Hand nehmen muss, wenn man Erfolge haben möchte. Einfach war dies alles nicht, aber es hat sich sehr gelohnt! Luca ist mittlerweile ein wunderbarer Hund im Freilauf, sein Jagdtrieb ist kontrollierbar und es macht unendlich viel Freude draußen mit ihm. Auch am Fahrrad hat er gelernt mitzulaufen, begleitet uns leidenschaftlich beim Wandern oder Joggen. Ist man sportlich, eher der Outdoor-Typ und in der Lage sich viel Zeit für den Hund zu nehmen, so kann ein Setter zu einem wunderbaren Begleiter werden, mit dem immer etwas geboten ist. Er ist nicht mehr wegzudenken!

Nachdem ich viel von Lucas endlos wirkenden Baustellen erzählt habe, kann ich aber auch sagen, dass es viele Dinge gab, die sofort super mit ihm funktioniert haben. Erstaunlich gut und schnell beherrschte er die Stubenreinheit. Auch das längere Alleinebleiben war nach 3 Monaten sehr gut erlernt. Er hatte nie Probleme mit lauten Geräuschen, der Türklingel, Besuch oder dem Staubsauger. Und Autofahren ging von Anfang an perfekt. Nachdem er aus seinem Schneckenhäuschen herausgekommen war, zeigte er sich allen Menschen gegenüber sehr freundlich, sanft und liebenswürdig – was uns nach seiner Vergangenheit eigentlich etwas wunderte.

Lucas größte Stärke ist definitiv sein gutmütiges Wesen. So wild und abenteuerlustig er draußen ist, so verkuschelt und entspannt ist er drinnen (was übrigens sehr settertypisch ist!). Er hat sich zu einem richtigen Schmusekater entwickelt, der den Menschen am liebsten sanft und ruhig auf den Schoß krabbelt und sich an sie schmiegt und dann stundenlang einfach nur gekrault werden könnte. Er ist sehr liebesbedürftig und zart, weshalb er im Umgang mit Kindern, Menschen mit Behinderung, alten Menschen oder sehr unsicheren oder ängstlichen Leuten wirklich gut geeignet ist.

2022 habe ich mit Luca schließlich die Therapiehundeausbildung absolviert, da ich ehrenamtlich soziale Einrichtungen mit ihm besuchen wollte. Auch in der Schule (ich arbeite als Lehrerin) soll er als Lesehund und pädagogischer Begleithund eingesetzt werden. Die Ausbildung hat er sehr gut abgeschlossen und es hat sich gezeigt, dass er mit seinem liebevollen Wesen und seiner Sanftheit schnell das Vertrauen der Menschen gewinnt und sich schnell sehr beliebt macht.

Uns ist klar, dass Luca ein Spezialfall ist und nicht jeder Hund so schwierig ist! Wir vermuten auch, dass er große Probleme gehabt hätte vermittelt zu werden und längerfristig in einem Zuhause zu bleiben. Hunde wie Luca werden nämlich schnell zu klassischen Wanderpokalen, da viele Menschen nicht Geld, Energie, Geduld oder Zeit aufbringen können, die solche Hunde fordern. Auch wir waren oft nervlich und psychisch am Limit, vor allem, wenn es Luca gesundheitlich so schlecht ging oder er – besonders anfangs – apathische Phasen hatte, in denen er nur depressiv rumlag. Man fühlt sich dann schnell ohnmächtig, muss aber für sich und den Hund einfach stark bleiben und weiter machen.

Obwohl viele meiner Erzählungen nicht besonders positiv klangen, blicke ich darauf zurück, was Luca und wir unter diesen enorm schwierigen Bedingungen schon geschafft haben! Nämlich verdammt viel!

Luca hat sich von einem traurigen, kranken Hund in einen mittlerweile selbstbewussten Kuschelliebhaber verwandelt, der settergerecht draußen viel beschäftigt wird, aber sich auch drinne so viele entspannte Ruhephasen gönnen kann, wie er will. Er hat ein Dach überm Kopf, ist gesund gepflegt, bekommt gutes Essen, wird von sehr vielen Menschen verehrt und ist zu einem Herrchen und Frauchen gekommen, die ihn bedingungslos lieben und niemals wieder hergeben!

Luca ist unser größter Schatz geworden, auf den wir niemals verzichten könnten.

Bei jeder Reise ist er dabei, begleitet und zu allen Ausflügen, wir können ihn auf Grund seiner liebenswerten Art und guten Erziehung zu allen möglichen Leuten mitnehmen. Mit seiner mittlerweile lustigen und lebensfrohen Art bringt er uns täglich so oft zum Lachen und Grinsen, verzaubert uns mit seiner spitzbübischen Art und bringt viele Leute dem Tierschutz näher.

Anfangs lauteten manche Aussagen der Leute: „Was habt ihr euch denn da für einen gestörten Hund euch? …“ Jetzt sagen die Leute nur noch: „Was? Solche tollen Hunde gibt es im Tierschutz? Wow!“.

Mit meinem Artikel möchte ich allen Adoptanten Mut machen:

Wie Luca gibt es viele verlorengeglaubte Seelen in Tierheimen, bei denen man denkt, dass jede Hilfe zu spät kommt. Aber auch diese können - wie man an Lucas Geschichte und Entwicklung sehen kann - Großes bewirken, sich mit viel Liebe, Zeit und Geduld entfalten und sich schließlich für immer in unsere Herzen schleichen. Im Übrigen hat Luca mittlerweile eine große Fangemeinde. Manchmal in Form von Nachbarskindern, die kommen, um ihn zu besuchen. Manchmal alte Menschen aus dem naheliegenden Altenheim, die ihn sehen möchten. Und manchmal unsere Freunde, die beleidigt sind, wenn wir Luca mal zuhause lassen.

Wer sich für einen Setter aus dem Oasi Argo interessiert oder Fragen rund um das Thema Jagdtrieb/Jagdhund hat, der darf sich sehr gerne bei mir melden!

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